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24.03.2017

2. Reha-Fachtag im RKI BBW: „Zum Umgang mit süchtigem und abhängigem Verhalten in der beruflichen Rehabilitation“

Reha- Berater und Mitarbeiter/innen des Jobcenters im Dialog mit Experten

2. Rehafachtag des RKI BBW: Berater/innen der Jobcenter im Dialog mit Experten_Foto: RKI BBW

2. Rehafachtag des RKI BBW: Berater/innen der Jobcenter im Dialog mit Experten_Foto: RKI BBW

Annähernd 60 Teilnehmer/innen, vorwiegend Reha-Berater und Mitarbeiter/innen der Jobcenter haben den 2. Reha-Fachtag am Dienstag, dem 21. März, in Berlin-Kladow besucht. Dieser Fachtag dient dem Dialog zwischen Vertretern der Kostenträger und Leistungserbringern. Beim 1. Reha-Fachtag im Jahr 2016 stand die Weiterentwicklung des RKI BBW zum „Unternehmen Inklusion“ im Fokus der Beiträge. In diesem Jahr ging es um den kompetenten Umgang mit süchtigem und abhängigem Verhalten in der beruflichen Rehabilitation.

Unterstützen, motivieren und klare Regeln vereinbaren

Alexander Nitsch, kommissarischer Abteilungsleiter der Begleitenden Dienste im RKI BBW erläuterte die Arbeitsweise in Bezug auf süchtiges Verhalten: klare Regeln, motivierende Gesprächsführung mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Einladung zur Prävention über die Weiterentwicklung der sogenannten life skills, Fertigkeiten, die soziale und Selbstkompetenzen verbessern. Er plädierte für eine gute Vernetzung und Koordination  von Rehabilitanden, Behandlern und Vertretern der Reha-Einrichtung.

Götz Beyer, Psychologischer Psychotherapeut aus Berlin, machte eine Tour d‘Horizon durch das Themenfeld der Sucht. Er verwies auf geschichtliche Aspekte und sprach definitorische Fragen an: „Welches Verhalten ist keine Sucht? Anschließend ging er dann ausführlich auf die zentrale Thematik ein, nämlich auf den Umgang mit dem sich süchtig verhaltenden Menschen. Seine Empfehlung lautete: kein konfrontatives, sondern ein unterstützendes Verhalten, das an der Ambivalenz der Verhaltensänderung ansetzt; neue Verhaltensabsichten entwickeln und zur Änderung ermutigen.

Suchtauslösende Situationen aufarbeiten und Handlungsalternativen entwickeln

Oliver Mann, Ärztlicher Leiter vom Haus Lenné, Fachklinik für integrierte Suchtmitteltherapie, hob hervor, dass eine familiäre, sehr auf den Patienten bezogene therapeutische Atmosphäre eine positive Ausgangssituation bietet, um neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Rückfällen in den Konsum gelte es jedoch mit sehr deutlichen Konsequenzen zu begegnen: in Form einer restriktiven Begrenzung der Ausgehmöglichkeiten, verbunden mit der individuellen Aufarbeitung der suchtauslösenden Situation.  

Stefan Dörner, Leitender Psychotherapeut  am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, führte in seinem Vortrag in die Schematherapie ein. Er wies auf die lebensgeschichtliche Entwicklung von Verhaltensmustern hin, die meist durch andere, individuell bedeutsame Personen auf den Weg gebracht wurden. Die Schematherapie biete die Möglichkeit, „problematische“ oder selbstschädigende Verhaltensmuster sowie zugrunde liegende Kognitionen zu überprüfen und zu verändern. Dieses Verfahren habe sich bei Menschen mit Suchtproblematiken sehr bewährt.

In der anschließenden Diskussion wurde auf den oft sehr schwierigen Abwägens- und Vorbereitungsprozess hingewiesen, der einer  Aufnahme von jungen Menschen mit Suchtmittelkonsum in eine berufliche Rehabilitation vorausgehen muss. „Ein fachliches Forum auf einem bemerkenswert guten Niveau“, lautete das Fazit vieler Teilnehmer, das im Jahr 2018 sicherlich eine Fortsetzung erfahren wird.